Immobilienfinanzierung in Deutschland: Der Weg zum Eigenheim ohne Eigenkapital?
Der Traum von den eigenen vier Wänden
In Deutschland war das Eigenheim lange Zeit das Symbol für Stabilität und Wohlstand. Doch die Preise in Metropolen wie Berlin, München oder Hamburg sind in den letzten Jahren explodiert. Gleichzeitig sind die Zinsen nach einer langen Niedrigzinsphase wieder gestiegen. Dies stellt angehende Bauherren vor enorme Herausforderungen. Wie viel Haus kann man sich heute noch leisten?
Was bedeutet eine 100-Prozent-Finanzierung?
Normalerweise verlangen Banken in Deutschland mindestens 20% des Kaufpreises als Eigenkapital, plus die Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler). Eine 100-Prozent-Finanzierung bedeutet, dass die Bank den kompletten Kaufpreis der Immobilie finanziert. Die Nebenkosten – die oft 10-15% des Preises ausmachen – müssen jedoch fast immer aus eigener Tasche gezahlt werden.
Die Risiken der Vollfinanzierung
Wer ohne Eigenkapital kauft, geht ein hohes Risiko ein. Da die Bank ein höheres Ausfallrisiko trägt, verlangt sie deutlich höhere Zinssätze. Zudem ist die Tilgungslast enorm. Wenn die Immobilienpreise fallen, schulden Sie der Bank unter Umständen mehr Geld, als das Haus wert ist (negatives Eigenkapital).
Zinsbindung: 10, 15 oder 20 Jahre?
Ein entscheidender Faktor bei der deutschen Immobilienfinanzierung ist die Zinsfestschreibung. Anders als in den USA, wo Kredite oft über 30 Jahre fest verzinst sind, wählen Deutsche meist Zeiträume zwischen 10 und 15 Jahren.
- 10 Jahre: Niedrigere Zinsen, aber hohes Risiko bei der Anschlussfinanzierung.
- 20 Jahre: Maximale Planungssicherheit, aber ein Zinsaufschlag durch die Bank.
Die KfW-Förderung nutzen
Der Staat greift Häuslebauern unter die Arme. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet zinsgünstige Darlehen für energieeffizientes Bauen oder das Wohneigentumsprogramm an. Diese Mittel lassen sich hervorragend mit einem klassischen Bankdarlehen kombinieren und senken die monatliche Gesamtbelastung erheblich.
Zusammenfassung für Käufer
Ein Immobilienkauf in Deutschland ist derzeit kein Selbstläufer. Eine solide Finanzierung steht auf drei Säulen: Einem stabilen Einkommen, einer realistischen Einschätzung der Nebenkosten und einer klugen Wahl der Zinsbindung. Experten raten dringend dazu, mindestens die Kaufnebenkosten als Eigenkapital mitzubringen, um nicht in eine lebenslange Schuldenfalle zu tappen.